Das Märchen vom "Audio" Bauteil

Es ist so alt wie das Thema "High-end Hifi" selbst........

Welcher Kondensator klingt am Besten? Welcher Widerstand ist am audiophilsten? Natürlich der, der am meisten kostet und am schönsten aussieht, ist doch klar! :-)

Nun, wenn Sie diese Auffassung vertreten und es Ihnen ein gutes Gefühl gibt, dann lesen Sie besser nicht weiter, denn die folgenden Zeilen könnten Ihre Traumblase zum Zerplatzen bringen.

 

Hierzu möchte ich vorab Folgendes erwähnen:

Wir könnten, wie Tausende weltweit, ebenfalls auf diesen Zug aufspringen und auf diese Weise jede Menge Geld machen, aber dies war niemals unsere Intention und wird es auch niemals sein. OK, jede Menge Geld machen wäre schon sehr reizvoll, aber auf gar keinen Fall, wenn es bedeutet, Geräte mit nachweislich schlechteren Bauteilen zu bestücken, und genau darum geht es in diesem Beitrag. Ich würde mich freuen, wenn Sie noch Lust haben, weiterzulesen, denn ich kann Ihnen versprechen, es wird spannend.

 

Wie alle Hifi-Liebhaber habe auch ich mich anfänglich von Testberichten renommierter Redaktionen leiten lassen und von Produktbeschreibungen und von in meiner Szene allgemeingültigen Weisheiten.

 

So war die "Audio" mein stetiger Begleiter, die Bestenlisten waren mir vertrauter, als die Geburtstage meiner Familienangehörigen und natürlich wusste ich ganz genau bescheid, was gut klingen musste, und was eben nicht. Irgendwann mit den Jahren und der Verfeinerung meiner physikalischen Kenntnisse, meines Gehörs für gute Klänge und mit den ersten "Verbesserungsmaßnahmen" in CD-Playern und Verstärkern, musste ich feststellen, dass oftmals nicht alle vermeintlichen "Verbesserungen" auch wirklich ordentlich nach vorn gingen. Woran konnte das liegen, fragte ich mich. Zu sehr klebte zuweilen der Klang an den Lautsprechern, trotz immensem Verbesserungsaufwand.

Schließlich kamen dann erste Messgeräte, weil ich lernte, dass ein Hifi Gerät nichts anderes war, als eine Aneinandereihung von Bauteilen, die mehr und mehr das Ursprungssignal mit Verlusten behafteten. Kein Koppelkondensator auf der Welt kann das "Original" verbessern, kein Widerstand im Signalweg kann dies, nein, man kann nur versuchen, auf bestmögliche Weise die Verluste gering zu halten. Und hier gibt es immense Unterschiede in der Bauteilqualität. 

Nun könnte man meinen, dass ein Kondensator in bildschönem goldfarbenem Kleid und mit geschwungener Aufschrift "Fine Gold" einem Gerät klanglich auf die Sprünge helfen kann. Natürlich kann er das, jedoch ist mir kaum ein Gerät in gehobener Qualitätsklasse bekannt, welches nicht von Werk aus annähernd gleichwertige Kondensatoren zu bieten hätte. 

Denn nüchtern betrachtet ist ein "Fine Gold" Audiokondensator ungefähr mit das Schlechteste, was man als Hifi Upgrade Company seinen Kunden und deren Geräten mit gutem Gewissen verbauen kann. Ebenfalls ein in der Branche sehr angesehener Elna "Silmic II" ist, sorry, ganz nett vielleicht, aber gut ist er bei Weitem nicht und schon gar nicht gut genug, um ihn als "upgrade" anbieten zu können. Ich könnte die Liste jetzt nahezu unendlich fortführen und am Ende bleibt die Frage, wie ich mir anmaßen könne, allgemein für audiophil befundene Bauteile derart in den Dreck zu ziehen.

Nun, es ist ganz einfach. Ich tue dies aus einem Grund: Weil ich es beweisen kann. Weil ich mir die Mühe gemacht habe, unter vielen Hundert Bauteilen die jeweils Besten zu ermitteln.

 

Ob ein Kondensator gut ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der Wichtigste hierbei ist:

  • Wo in der Schaltung soll der Kondensator eingesetzt werden? Also welchen Zweck soll der Kondensator erfüllen?

Dennoch allgemein sollte ein Kondensator von extrem hoher Qualität sein, hierfür gibt es einen messbaren Gütefaktor (Q). Weiterhin sollte er einen nahezu idealen Verlustwinkel von 90° aufweisen, auch dieser ist messbar und wird mit dem sogenannten TanDelta bemessen. Weiterhin sollte er einen möglichst geringen Ersatzserien Widerstand aufweisen (ESR), und zu guter Letzt sollte er einen hervorragenden Verlustfaktor aufweisen, der sogenannte Dissipation Factor, welcher in direktem Verhältnis zum Verlustwinkel steht.

 

Nun könnte man meinen, dass besonders gekennzeichnete Audio Kondensatoren allesamt diese Anforderungen erfüllen, aber dem ist leider ganz und gar nicht so, bitte glauben Sie mir!

Ein Elna Silmic II misst sich vergleichsweise grottenschlecht gegenüber einem Panasonic FM oder FR (beide kosten je einen Bruchteil eines Silmic II und sind in wirklich ALLEN Belangen erheblich besser, und somit auch klanglich absolut zu bevorzugen!)

 

Ja, ich weiss, ein Elna Silmic II verfügt über ölgetränktes Seidenpapier und spielt extrem seidig, und ein Nichicon Fine Gold verfügt über Goldpartikel und spielt extrem warm, wie die Sonne, ist doch klar, die ist ja schließlich auch so schön goldfarben, abends im August. Und wenn dann auch noch "for Audio" daufsteht, ja dann, dann klingt es erst so richtig schön und man weiss, dass man richtig was Gutes zuhause im Hifi Rack stehen hat. :-)

 

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich gibt es auch sogenannte Audio Kondensatoren, die wirklich richtig richtig gut sind. Hierzu zählen beispielsweise folgende Kondensatoren:

  • Nichicon UKZ Muse
  • Nichicon LKG (exzellent, aber leider baulich sehr groß)
  • AudioNote Kaisei (Nachfolger des legendären Rubycon Black Gate)
  • Rubycon Black Gate (nicht mehr lieferbar und lächerlich teuer)
  • Mundorf (nahezu alle)

Dennoch stechen folgende Kondensatoren die meisten der oben genannten gnadenlos aus, bzw. sind teils gleichwertig bei einem Bruchteil des Preises:

  • Panasonic FM (exzellent in allen Belangen)
  • Panasonic FR (exzellent in allen Belangen)
  • Panasonic FC (sehr gut in allen Belangen)
  • Würth WCAP (exzellent in allen Belangen)
  • WIMA Folien (überragend, jedoch begrenzt einsetzbar)

Ein Beispiel aus der Praxis:

Nehmen wir einen sehr häufig gebrauchten Kondensator, nämlich einen 47uf25v Elektrolytkondensator. Im Folgenden liste ich vier verschiedene Kondensatoren, rein nach dem allgemeinen Ruf und Höhe des Preises:

  • Elna Silmic II: Ruf: Exzellent, Preis: 0,74 Euro
  • Nichicon UKZ Muse: Ruf: Sehr gut, Preis: 0,58 Euro
  • Nichicon Fine Gold Muse: Ruf: Sehr gut, Preis 0,45 Euro
  • Panasonic FM: Ruf: kein Audio Kondensator, Preis: 0,31 Euro

Soweit so gut, und jetzt zu den nackten Tatsachen:

  • Elna Silmic II: (D)=0,0532 / (Phasenwinkel)=-86,9° / (ESR)=1,917 Ohm / Q=18,77
  • Nichicon UKZ: (D)=0,0287 / (Phasenwinkel)=-88,3° / (ESR)=0,971 Ohm /Q=34,83
  • Nichicon FG: (D)=0,0574 / (Phasenwinkel)=-86,7° / (ESR)=2,214 Ohm / Q=17,41
  • Panasonic FM: (D)=0,0395 / (Phasenwinkel)=-87,9° / (ESR)=1,409 Ohm / Q=25,23

Die neue Liste nach Wertung muss also wie folgt lauten:

  1. Nichicon UKZ
  2. Panasonic FM
  3. Elna Silmic II
  4. Nichicon Fine Gold

Preis/Leistungssieger ist hier ganz klar Panasonics FM, ein Kondensator, der nichtmal als Audio Kondensator deklariert wird, er hat keine hübsche Hülle und er hat als Einziger der getesteten Elkos keine Beinchen aus Kupfer. Dennoch liefert er ab, nicht mehr, nicht weniger. Er klingt besser, als die meisten anderen Elkos, er kostet weit weniger, als die meisten anderen Elkos. Dennoch würden die Wenigsten bei der Wahl eines klanglichen upgrades auf diesen Elko gehen, nehme ich an.

Nun gibt es noch anderen Kapazitäten und Spannungsfestigkeiten und da sticht der Panasonic FM oder der FR plötzlich richtig weit aus der Menge heraus, im Falle meines 47uf25v Tests liegen alle Probanden ja noch recht nah zusammen.

 

Meine Wahl fällt grundsätzlich immer auf einen Mix aus Nichicon UKZ, Mundorf MCAP und Mlytic, Panasonic FM/FR/FC, sowie Wima Folien. Letztere messen sich Lichtjahre besser, als jeder Elko, sie sind quasi ausser Wertung, aber man kann sie auch nur begrenzt verbauen, da die Bauform ungleich größer ausfällt. Wima Folien wähle ich gerne als Ersatz für Koppelkondensatoren und zur Parallelblockung von Elkos in Versorgungsspannungen.

Aber auch, wenn so eine Wima Folie ausser Wertung läuft, möchte ich hier einmal zum Vergleich die Werte einer 4,7uf50v Variante präsentieren. Bitte festhalten:

 

Wima MKS4: (D)=0,0017 / (Phasenwinkel)=90° / (ESR)=0,037 Ohm / (Q)=577

 

Wichtig zur Info!

Alle Kondensatoren habe ich unter identischen Bedingungen gemessen. Ich habe eine Frequenz von 100hz angelegt. Nun verhalten sich Kondensatoren unterschiedlich vorbildlich, je nach angelegter Frequenz, jedoch kann ich Ihnen versichern, das Bild setzt sich durch, teilweise können sich die guten Kondensatoren noch weiter absetzen, aber solch eine Test wäre sehr aufwändig niederzuschreiben und würde den Rahmen hier sprengen.

 

Ich hoffe, Ihnen hat mein Beitrag zu Kondensatoren einigermaßen gefallen und lässt Sie mit einem gewissen Maß an Skepsis in Zukunft auf sogenannte Wunder-Bauteile der Audio Industrie blicken.

Aber auch, wenn Sie selbst nicht das technische Know-how haben, eine Audioschaltung zu modifizieren, seien Sie sich bitte sicher, bei mir sind Sie immer in den besten Händen und Sie erhalten immer nur beste Ware, nicht teuerste Ware.

Ich werde auch weiterhin für Sie recherchieren, entwickeln und meine neuesten Erkenntnisse in Ihre Geräte einfliessen lassen.

Es grüßt Sie herzlich,

Sascha Symanowski

 

 

Kondensatorvergleich 47uf25v
Kondensatorvergleich 47uf25v

Warum eigentlich...

...sollte ich mein Hifi-/AV-Gerät einer Optimierung unterziehen? Der Hersteller wird schon wissen, was er tun muss, um die optimale Performance herauszukitzeln. 

 

Stimmt! Natürlich weiss er das. Jedoch steht das Ziel, ein Audio-Gerät optimal zu konstruieren, in massivem Konflikt mit der Vorgabe, ein gesundes Margensystem zu schaffen, bzw zu erhalten. Dabei spielen diverse Faktoren eine Rolle. Diese sind allen voran:

  • Entwicklungskosten in Relation zur absetzbaren Stückzahl
  • Akzeptanz des Konsumenten, sein Erspartes oder fremdfinanziertes Geld in eine oder mehrere Audio-Komponenten zu investieren.
  • Wettbewerbs-Situation
  • Eigene Produktreihen-Hierarchien
  • Internet Price-Dumping

Beispiel: Ein namhafter japanischer Hersteller von Consumer-Electronic Geräten entwickelt vier verschiedene CD-Player unterschiedlicher Preisklassen. Die VK-Preise staffeln sich wie folgt:

  • CDP-A1 zur UVP von 1990,- Euro
  • CDP-A2 zur UVP von 1490,- Euro
  • CDP-A3 zur UVP von   999,- Euro
  • CDP-A4 zur UVP von   499,- Euro

Die Geräte unterscheiden sich äußerlich vor Allem in der Materialauswahl, Abmessungen und Gewicht. Im Innern finden wir beim A1 einen recht soliden Aufbau und ein sauberes Platinenlayout. Außerdem ist das Netzteil aufwändiger ausgelegt und hier und da sehen wir schöne Kupferschrauben.

Beim A2 fallen die dünneren Gehäuseteile auf, alles wirkt minimal einfacher und weniger edel. Beim A3 haben wir dann bereits nur noch einen einteiligen Blechdeckel, der mächtig nachschwingt, und die Frontabdeckung ist hier oftmals bereits aus Kunsstoff. Im Innern alles etwas weniger aufgeräumt, das Laufwerk bereits nicht mehr so aufwändig ausgelegt und auch schon nicht wirklich mehr gekapselt.

Der A4 Player ist um einiges leichter, wirkt doch sehr lieblos und im Innern findet sich mehr oder weniger gar nichts, oder eine nur sehr spärliche Stromversorgung und das alle Sektionen sind gegenseitig ungeschützt. 

Was uns jedoch auffällt, ist, dass in allen vier Playern nahezu gleich-minderwertige oder sich in der Qualität kaum unterscheidende Bauteile zu finden sind. Warum finden wir in sündhaft teuren Playern oftmals die selben billigen Operationsverstärker, wie sie auch in 300,- Euro Geräten Verwendung finden? Warum sehen wir auf Netzteilen Kondensatoren, die im Handel nur wenige Cent kosten, und deren Datenblätter durchschnittliche Performance verheißen? Warum finden wir in 5000,- Euro CD-Playern klangschädigende, billige Brückengleichrichter, deren physikalische Eigenschaften mit teilweise nur wenigen Cent mehr kostenden high-end highspeed Dioden um ein Vielfaches übertroffen werden können? Warum verbauen Hersteller also klanglich durchschnittliche Industrieteile in extrem teuren Geräten, wenn sie auch für wenige Euro mehr klanglich high-endige Bauteile hätten einsetzen können? 

Ganz einfach: Weil es günstiger ist! Und weil der Konsument sich in erster Linie von seinem Seh- und Tastsinn leiten lässt, und weil der Konsument in den meisten Fällen nicht weiss, dass es durchaus besser, authentischer, mitreissender und musikalischer klingen kann. 

Wir haben in unseren unzähligen Hör-Sessions über viele Jahre die Erfahrung gemacht, dass der Fortschritt, also der Sprung von einem guten auf ein besseres Gerät, oftmals nur sehr schwer auszumachen ist, jedoch der Rückschritt, also vom besseren auf ein schlechteres Gerät, nahezu unüberhörbar ist. Der Mensch gewöhnt sich schnell an audiovisuelle Ereignisse, und unser Gehirn gleicht oftmals Fehler aus. Hören Sie mal eine halbe Stunde Ihren Lieblings-Interpreten über den Mono-Lautsprecher Ihres Smartphones. Sie werden sagen, ja, so klingt die Musik. Hören Sie selbigen Interpreten eine Stunde später über Ihre Stereoanlage. Sie werde sagen, ja so klingt die Musik. Hören Sie dann aber die gleiche Musik wieder über den Lautsprecher Ihres Smartphones. Wetten, dass Ihnen die jetzige Darbietung sehr viel schlechter vorkommt, als beim ersten Mal? Und so geht es uns mit nahezu jedem serienmäßigen Quellgerät oder Verstärker. Wir hören es zur Probe und sehen uns den internen Aufbau an. Anschließend entscheiden wir aufgrund unserer langjährigen Erfahrung, welche Komponenten rausfliegen und wo wir mit gezielten Maßnahmen einen guten Qualitätsschritt machen können. Am Ende erhalten wir so in nahezu 100% aller Fälle ein deutlich besseres, musikalischeres Gerät. Und zwar nahezu unabhängig von der Preisklasse.